Medienmitteilung: Schweizer Milch wird entwertet. Basispreis schützen – Übermengen bestrafen – Importtransparenz jetzt!
Der Milchmarkt braucht jetzt klare Entscheide. Ohne wirksame Steuerungsinstrumente wird sich das Marktversagen wiederholen, mit gravierenden Folgen für die bäuerlichen Familienbetriebe und die Versorgungssicherheit der Schweiz.

Die Lage auf dem Schweizer Milchmarkt spitzt sich weiter zu. Mit der Einführung von C-Milch als Ventil für Überschüsse und der Senkung des A-Richtpreises steigt der wirtschaftliche Druck auf die Milchproduzenten massiv. Diese Entwicklung ist nicht das Resultat eines Fehlverhaltens der Bauernfamilien. Die Ursachen liegen tiefer. Leider sind die bäuerlichen Dachorganisationen derart eng mit der Milchbranche verstrickt, dass zur aktuellen Schieflage kaum noch kritische Stimmen zu hören sind.
Die Mengendiskussion greift zu kurz. Gleichzeitig zeigt sich klar: Ohne wirksame privatrechtlicher Mengensteuerung kommt es im Milchmarkt immer wieder zu Marktversagen. Übermengen destabilisieren den Markt und müssen konsequent sanktioniert werden.
Entscheidend ist, dass nicht der Basispreis bestraft wird, sondern gezielt jene Mehrmengen, die über den tatsächlichen Bedarf hinausgehen.
Ein wesentlicher Faktor sind importierte Milchmengen, die zunehmend in Form von verarbeiteten Produkten wie Käse oder Milchpulver in die Schweiz gelangen. Diese indirekten Importe verzerren den Markt erheblich. Hinzu kommt der kaum transparente Veredelungsverkehr, der zusätzlichen Druck auf den Inlandmarkt ausübt. Diese Entwicklungen müssen offen benannt werden.
Emmi als zentrale Akteurin im Schweizer Käsemarkt muss Verantwortung übernehmen und Importkäse schrittweise durch Schweizer Käse ersetzen, um den Druck auf den Milchmarkt zu reduzieren. Gleichzeitig sind die Produzenten gefordert, die Milchmengen wirksam zu reduzieren. Als sofort umsetzbare Massnahmen gelten ein früheres Schlachten von Kühen, eine Reduktion des Kraftfuttereinsatzes sowie die Kälbermast.
Das Landwirtschaftsjahr 2025 war ertragsmässig erfreulich. Ein gutes Produktionsjahr darf jedoch nicht zu sinkenden Milchpreisen führen. Der heutige Mechanismus bestraft Leistung und Qualität. Das ist nicht akzeptabel.
Der Basispreis im A-Segment hätte nie gesenkt werden dürfen. Der A-Preis betrifft Milch für den Inlandmarkt und muss stabil bleiben. Statt den Grundpreis zu kürzen, hätten ausschliesslich Mehrmengen sanktioniert werden dürfen. Die pauschale Senkung trifft auch marktkonform wirtschaftende Betriebe. Das ist sachlich falsch und agrarpolitisch kurzsichtig.
Trotz freier Kapazitäten in vielen Käsereien werden Verarbeitungsengpässe geltend gemacht. Zahlreiche Betriebe arbeiten heute nicht einmal mehr auf Halbmast. Statt hochwertige Milch abzuwerten, wäre es sinnvoll, gezielt mehr haltbare Produkte wie Käse herzustellen. In Zusammenarbeit mit der Entwicklungshilfe könnten diese Produkte in ferne Länder exportiert werden. So liesse sich überschüssige Milch sinnvoll verwerten und gleichzeitig ein Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.
Notwendig ist eine konsequente Stärkung des Inlandmarktes. Gefordert sind mehr Transparenz bei Milchimporten, nachvollziehbare Richtpreisanpassungen sowie ein gemeinsames Handeln aller Akteure. Industrie und Detailhandel stehen in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen und Schweizer Milchprodukte zu stärken.
Der Milchmarkt braucht jetzt klare Entscheide. Ohne wirksame Steuerungsinstrumente wird sich das Marktversagen wiederholen, mit gravierenden Folgen für die bäuerlichen Familienbetriebe und die Versorgungssicherheit der Schweiz.
Thomas Hodel
SVP Landwirtschaftskommission